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	<title>Einfach Demokratie &#187; Demokratie</title>
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	<description>Die Summe der Demokratie und ihr Produkt</description>
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		<title>Sascha Lobos Apfelkuchen-Prinzip</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 09:26:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Sch&#246;ner Artikel von Sascha Lobo, der in wenigen Worten beschreibt, wie die neuen Informationsm&#246;glichkeiten und der zunehmende Tranparenzwunsch sich gegenseitig beeinflussen und im Tandem daf&#252;r sorgen, dass sich die Grenzen zwischen B&#252;rger und staatlichen Institutionen einebenen. Etwas umfangreicher habe ich in dieser Serie versucht zu erl&#228;utern, wie genau dieses Prinzip praktisch f&#252;r jede Demokratisierung in der Geschichte verantwortlich ist. Im Grundsatz ist die heutige Entwicklung nichts anderes als die beschleunigte Fortentwicklung von seit jeher g&#252;ltigen Prinzipien. Doch etwas ist neu.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sch&#246;ner <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0%2C1518%2C811007%2C00.html">Artikel</a> von Sascha Lobo, der in wenigen Worten beschreibt, wie die neuen Informationsm&#246;glichkeiten und der zunehmende Tranparenzwunsch sich gegenseitig beeinflussen und im Tandem daf&#252;r sorgen, dass sich die Grenzen zwischen B&#252;rger und staatlichen Institutionen einebenen.</p>
<p>Etwas umfangreicher habe ich in <a href="/2011/12/22/die-kommende-revolution-ist-liberal/">dieser Serie</a> versucht zu erl&#228;utern, wie genau dieses Prinzip praktisch f&#252;r jede Demokratisierung in der Geschichte verantwortlich ist. Im Grundsatz ist die heutige Entwicklung nichts anderes als die beschleunigte Fortentwicklung von seit jeher g&#252;ltigen Prinzipien. Doch etwas ist neu.</p>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 8)</title>
		<link>http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/10/evolution-und-zukunft-der-demokratie-8/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 08:48:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Demokratie muss einge&#252;bt werden.&#8221; Joachim Gauck Jede Machtverschiebung hat ihre eigenen Herausforderungen. Auch Demokratie muss gelernt werden. Demokratie braucht Bildung. Die Menschen ver&#228;ndern ihre Verhaltensweisen nicht von einem Tag auf den anderen. Wenn man daran gew&#246;hnt ist, von den Aufsehern angeleitet zu werden, kann ihr pl&#246;tzliches Verschwinden durchaus zu Zusammenbr&#252;chen von Infrastruktur und Versorgung f&#252;hren. Man muss Selbstorganisation erst einmal lernen und verstehen, was die Aufseher dort oben &#252;berhaupt gemacht haben. Die Menschen m&#252;ssen erst noch realisieren, was es bedeutet, dass sie nun selbst &#252;ber die Mauern schauen k&#246;nnen. Doch wir k&#246;nnen nicht warten, bis auch der letzte Regierungsbeamte verstanden &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/10/evolution-und-zukunft-der-demokratie-8/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote class="dark"><div>&#8220;Demokratie muss einge&#252;bt werden.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck">Joachim Gauck</a></div>
</blockquote>
<p>Jede Machtverschiebung hat ihre eigenen Herausforderungen. <strong>Auch Demokratie muss gelernt werden</strong>. Demokratie braucht Bildung. Die Menschen ver&#228;ndern ihre Verhaltensweisen nicht von einem Tag auf den anderen. Wenn man daran gew&#246;hnt ist, von den Aufsehern angeleitet zu werden, kann ihr pl&#246;tzliches Verschwinden durchaus zu Zusammenbr&#252;chen von Infrastruktur und Versorgung f&#252;hren. Man muss Selbstorganisation erst einmal lernen und verstehen, was die Aufseher dort oben &#252;berhaupt gemacht haben.</p>
<p>Die Menschen m&#252;ssen erst noch realisieren, was es bedeutet, dass sie nun selbst &#252;ber die Mauern schauen k&#246;nnen. Doch wir k&#246;nnen nicht warten, bis auch der letzte Regierungsbeamte verstanden hat, worum es geht. <strong>Wir m&#252;ssen uns etwas zutrauen</strong>. Auch die Leute auf den Plattformen m&#252;ssen erst noch verstehen, dass sich ihre Aufgabe &#228;ndert. In einer sich weiterentwickelnden Demokratie ist es Teil ihrer Aufgaben, sich selbst &#252;berfl&#252;ssig zu machen. Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie das freiwillig tun, &#228;u&#223;erst gering.</p>
<blockquote><div>&#8220;Moderne Revolutionen sind zivilgesellschaftliche Revolutionen.&#8221; <a href="http://www.netzpolitik.org/2011/revolutionen-auf-der-republica-country-internet-awesome/">Ludger Schadomsky</a></div>
</blockquote>
<p>Die Mauern der Welt sind nicht alle gleich hoch und die Menschen nicht alle gleich gro&#223;. <strong>Demokratie ist die Evolution des Prinzips &#214;ffentlichkeit</strong>, mit all seinen technischen, institutionellen, vor allem aber kulturellen Begleitumst&#228;nden.</p>
<blockquote><div>&#8220;Demokratie muss man lernen. Demokratie muss den Autokratien abgerungen werden. In Demokratien muss es eine relativ engagierte und auch gebildete Bev&#246;lkerung geben… Und vor allem geh&#246;rt zu Demokratie, wie wir sie verstehen, ein hohes Ma&#223; an Rechtsstaatlichkeit, an Grund- und Freiheitsrechten, Gewaltenteilung, eine weitgef&#228;cherte Medienlandschaft und eine B&#252;rgergesellschaft. Das alles braucht relativ lange Zeit.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe">Otfried H&#246;ffe</a> <abbr title="Sendung Scobel in 3SAT vom 21.10.2010">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Wie sehr Demokratie immer auch ein Lernprozess der gesamten Bev&#246;lkerung ist, lie&#223; sich auch gut am <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arabischer_Fr%C3%BChling">Arabischen Fr&#252;hling</a> beobachten.</p>
<p>Man sollte sich h&#252;ten vor der Vorstellung, eine Verfassung wie das deutsche Grundgesetz k&#246;nnte einfach in anderen L&#228;ndern “installiert“ werden, so wie es sich einige &#228;gyptische Revolution&#228;re vorstellten. Das Grundgesetz repr&#228;sentiert in besonderem Ma&#223;e die demokratische Kultur der Deutschen und ist mit ihnen verwachsen. <strong>Demokratie ist kein Zustand, sondern ein kultureller Weg, den jedes Volk f&#252;r sich selbst finden und gehen muss</strong>. Ganz sicher haben auch wir noch nicht das Ende dieses Weges gesehen. M&#246;glicherweise werden k&#252;nftige Generationen f&#252;r unser heutiges System den Begriff Demokratie gar nicht mehr f&#252;r angemessen halten.</p>
<p>Um sich klarzumachen, welcher Weg noch vor uns liegen k&#246;nnte, sollte man ab und zu auf die letzten Schritte zur&#252;ckschauen. Auch wenn wir andere L&#228;nder f&#252;r Menschenrechtsverletzungen kritisieren, war das Erlernen von Toleranz und Gleichberechtigung auch bei uns ein m&#252;hsamer Prozess. Die Schweizer, deren Demokratiemodell heute vielen als Vorbild dient, wurden einst verlacht, weil sie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenstimmrecht_in_der_Schweiz">bis 1971 kein Frauenwahlrecht</a> kannten (die Appenzeller sogar bis 1990). Doch wir Deutsche sa&#223;en selbst im Glashaus. Noch 1957 galt in Deutschland der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gehorsamsparagraph">Gehorsamsparagraph</a> f&#252;r die Ehefrau. Erst seit 1969 gilt eine verheiratete Frau als gesch&#228;ftsf&#228;hig und darf ihr Verm&#246;gen selbst verwalten. Seit 1977 ist die Frau nicht mehr in erster Linie der Haushaltsf&#252;hrung verpflichtet und darf ohne Zustimmung des Ehemannes einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Und bis 1997 war die Vergewaltigung in der Ehe keine Straftat, sondern das gute Recht des Mannes.</p>
<p>Die Grenze zwischen einer Demokratie und einem autorit&#228;ren Staat kann in der Tat verschwommen sein. Auch bei uns fand sich so mancher der einstigen Nazikader auch nach dem Krieg noch <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bericht-ueber-ns-vergangenheit-deutscher-politiker-zu-viel-undemokratisches-personal-1.1242602">als hoher Regierungsbeamter</a> wieder. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Notstandsgesetze">Aus vielerlei Gr&#252;nden</a> gab es nicht wenige, die den deutschen Repr&#228;sentanten ihre Legitimation absprachen oder sich gar zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee_Fraktion">bewaffneten Widerstand</a> berufen f&#252;hlten.</p>
<p>Bei allen Parallelen lassen sich die Erfahrungen der demokratisierenden Kraft des Internets im arabischen Fr&#252;hling sicher nicht so einfach auf deutsche Verh&#228;ltnisse &#252;bertragen. &#214;ffentlichkeit funktioniert bei uns anders, ganz einfach, weil wir bereits weiter sehen k&#246;nnen. Vielleicht sind die Araber heute tats&#228;chlich noch in einem st&#228;rkeren Ma&#223;e auf Aussichtsplattformen angewiesen, als es bei uns der Fall ist.</p>
<p>Auch Richard von Weiz&#228;cker bemerkte 1992 in einem Interview <abbr title="Buch: Richard von Weiz&#228;cker im Gespr&#228;ch, S.30">[*]</abbr>, dass die Entwicklung vom reinen Ordnungsstaat zu einer demokratischen B&#252;rgergesellschaft immer eine Allm&#228;hliche ist.</p>
<p>Der unnachahmliche <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sascha_Lobo">Sascha Lobo</a> dr&#252;ckt die Abh&#228;ngigkeit von Demokratie zu Kultur <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,783458,00.html">so</a> aus: Das Grundgesetz w&#228;re &#8220;nur ein St&#252;ck Papier, wenn nicht etwas ganz Wesentliches dazuk&#228;me: Eine Gesellschaft funktioniert nur &#252;ber die Einsicht, bestimmte Dinge freiwillig nicht zu tun &#8211; unabh&#228;ngig von gesetzlichen Verboten und staatlicher Kontrolle… Wenn auf einem bepflanzten Mittelstreifen die Blumen nicht massenweise abgerissen werden, dann liegt das kaum an der Furcht, daf&#252;r ins Gef&#228;ngnis zu wandern… Diese Vorstellung mag sich sehr naiv anh&#246;ren. Sie ist nicht viel naiver als in ein Gesetz hoffnungsvoll hineinzuschreiben: Die W&#252;rde des Menschen ist unantastbar.&#8221;</p>
<p>Beim ehemaligen Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof klingt das etwas f&#246;rmlicher: &#8220;Die freiheitliche Staatsverfassung wird nur in Hochkulturen gelingen, in denen die Menschen dank innerer Bindung zur Freiheit bereit und kraft ihrer Ausbildung und Bildung zur Freiheit f&#228;hig sind&#8221; <abbr title="Buch: Das Gesetz der Hydra, S.47">[*]</abbr>. &#8220;Die Hochkultur des Verfassungsstaates beginnt, wenn der Staat sich nicht mehr im Staatsvertrag, sondern in seinem kulturell gewachsenen Recht legitimiert&#8221; <abbr title="Buch: Das Gesetz der Hydra, S.128">[*]</abbr>.</p>
<p>Einen hab ich noch: &#8220;<strong>Auch die besten Strukturen funktionieren nur, wenn in einer Gemeinschaft &#220;berzeugungen lebendig sind, die die Menschen zu einer freien Zustimmung zur gemeinschaftlichen Ordnung motivieren k&#246;nnen. Freiheit braucht &#220;berzeugung</strong>&#8220;. Papst Benedikt XVI <a href="http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi_ge.html">[*]</a></p>
<p>Sie alle meinen dasselbe.</p>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 7)</title>
		<link>http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/09/evolution-und-zukunft-der-demokratie-7/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 13:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Doch die Parteien verweigern sich dieser Entwicklung. Eine schweigende Mehrheit des Volkes hat sich von den Parteien abgewandt, weil diese sich vom Volk entfernt haben. Die Parteien bilden die Vielfalt der Bed&#252;rfnisse des Volkes einfach nicht mehr ab. Wo man sich fr&#252;her einer organisierten Gro&#223;gruppe anschlie&#223;en musste, um seiner Stimme Ausdruck zu verleihen, kann heute jeder seine Interessen selbst wahrnehmen – solange er nicht von einem veralteten Rechtsrahmen daran gehindert wird. &#8220;Die gro&#223;e gesellschaftliche Pr&#228;gemaschine hat [den Einzelnen] aus ihren metallischen Pressbacken entlassen. Niemand besitzt mehr eine Vetomacht &#252;ber das Leben der Anderen. Endlich wird das Leben zur Chefsache.&#8221; Gabor &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/09/evolution-und-zukunft-der-demokratie-7/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Doch die Parteien verweigern sich dieser Entwicklung. Eine schweigende Mehrheit des Volkes hat sich von den Parteien abgewandt, weil diese sich vom Volk entfernt haben. Die Parteien bilden die Vielfalt der Bed&#252;rfnisse des Volkes einfach nicht mehr ab. Wo man sich fr&#252;her einer organisierten Gro&#223;gruppe anschlie&#223;en musste, um seiner Stimme Ausdruck zu verleihen, kann heute jeder seine Interessen selbst wahrnehmen – solange er nicht von einem veralteten Rechtsrahmen daran gehindert wird.</p>
<blockquote><div>&#8220;Die gro&#223;e gesellschaftliche Pr&#228;gemaschine hat [den Einzelnen] aus ihren metallischen Pressbacken entlassen. Niemand besitzt mehr eine Vetomacht &#252;ber das Leben der Anderen. Endlich wird das Leben zur Chefsache.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabor_Steingart">Gabor Steingart</a> <abbr title="Buch: Das Ende der Normalit&#228;t, S.13">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Dieser Rechtsrahmen ist in weiten Teilen darauf ausgerichtet, den politischen Autorit&#228;ten die Steuerung der Menschen &#252;ber Massenorganisationen und Institutionen zu erm&#246;glichen. Kein Wunder, dass es ihnen dabei so leicht f&#228;llt, die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander auszuspielen.</p>
<p>Doch der &#8220;Prozess politischer Meinungsbildung hat dank Internet eine Komplexit&#228;t erreicht, der politische Institutionen wie Parteien, Parlamente und Regierungen nicht mehr gerecht werden k&#246;nnen&#8221; <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-05/internet-proteste-demokratie">[*]</a>.</p>
<blockquote><div>&#8220;Die Sanktionsinstrumente, mit deren Hilfe die alten M&#228;chte einst die Normierung der Gesellschaft durchsetzen konnten, stehen nicht mehr zur Verf&#252;gung… Die Schwerter in den H&#228;nden der alten M&#228;chte sind stumpf geworden. Den alten Eliten fehlt die F&#228;higkeit, Andersartigkeiten unterdr&#252;cken zu k&#246;nnen.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabor_Steingart">Gabor Steingart</a> <abbr title="Buch: Das Ende der Normalit&#228;t, S.14">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Das muss kein Ungl&#252;ck sein. In ihrer jetzigen Form werden die Parteien einfach nicht mehr ben&#246;tigt.</p>
<blockquote><div>&#8220;Eine Welt der ungez&#228;hlten Wirklichkeiten ist entstanden, Der Einzelne hat nicht nur die M&#246;glichkeit, sich von anderen radikal zu unterscheiden, er nutzt sie auch.<br />
&#8230;<br />
Nat&#252;rlich schlummerten auch schon fr&#252;her Millionen von W&#252;nschen und Sehns&#252;chten in der Gesellschaft, doch es waren W&#252;nsche, die nicht ausgelebt wurden. Eine Betonplatte aus Normen, Traditionen, Gewohnheiten und Erwartungen, Erlassen und Diktaten, Stupidit&#228;ten und Borniertheiten lag &#252;ber ihnen. Diese Betonplatte wurde in j&#252;ngster Zeit gesprengt<br />
&#8230;<br />
Der Einzelne kann aufbl&#252;hen wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabor_Steingart">Gabor Steingart</a> <abbr title="Buch: Das Ende der Normalit&#228;t, S.11, S.14, S.24">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Denn:</p>
<blockquote class="dark"><div>&#8220;Zum ersten Mal in der Geschichte, [sind] die Werkzeuge f&#252;r globale Kooperation nicht mehr ausschlie&#223;lich in den H&#228;nden von Regierungen und Institutionen.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clay_Shirky">Clay Shirky</a> <abbr title="Buch: Here comes Everybody, Buchumschlag">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Die H&#246;he der Schutzw&#228;lle, die die Institutionen um sich errichten, variiert von &#8220;Politische Klasse&#8221; bis &#8220;korruptes Regime&#8221; und h&#228;ngt mehr als alles andere von der St&#228;rke der B&#252;rger ab. Je st&#228;rker wir werden, je weiter wir &#252;ber die Mauern schauen k&#246;nnen, desto mehr k&#246;nnen wir sehen und desto schneller k&#246;nnen wir uns auch spontan organisieren und zusammenschlie&#223;en, ohne dabei auf traditionelle Institutionen zur&#252;ckgreifen zu m&#252;ssen.</p>
<p>&#8220;Kommend aus Untertanenstaat, Adelsherrlichkeit und Gottesgnadentum, weitergereist in Industrialismus und b&#252;rgerlichen Kollektivismus, ist die Gesellschaft nun erneut auf Wanderschaft&#8221; <abbr title="Buch: Das Ende der Normalit&#228;t, S.16">[*]</abbr>. Aber &#8220;der gro&#223;e historische Konflikt zwischen Individualismus und Kollektivismus&#8221; (von Mises) ist keinesfalls beendet. Im Gewand veralteter Institutionen b&#228;umt sich der Kollektivismus noch einmal auf. Doch irgendwann wird er erkennen m&#252;ssen, dass die Koordination menschlicher Aktivit&#228;ten unter diesen neuen Voraussetzungen wesentlich intelligenter gestaltet werden kann. <strong>Die Spielregeln &#228;ndern sich fundamental</strong>. &#8220;&#220;berall werden Hierarchien von unten her in Frage gestellt oder wandeln sich selbst in horizontalere, kooperativere, flachere Strukturen.&#8221; So Thomas Friedman <abbr title="Buch: Die Welt ist flach, S.66">[*]</abbr></p>
<p>Wirklich verbl&#252;fft ist man immer wieder von der Visionskraft <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan">Marshall McLuhans</a>. 1964 schrieb er:</p>
<blockquote><div>&#8220;Lack of homogeneity in speed of information movement creates diversity of patterns in organization. It is quite predictable, then, that any new mean of moving information will alter any power structure whatever.<br />
&#8230;<br />
For new speed and power are never compatible with existing spatial and social arrangements.<br />
&#8230;<br />
All meaning alters with acceleration, because all patterns of personal and political interdependence change with any acceleration of information.<br />
&#8230;<br />
As the speed of information increases, the tendency is for politics to move away from representation and delegation of constituents toward immediate involvement of the entire community in the central acts of decision. Slower speeds of information make delegation and representation mandatory… When the electric speed is introduced into such delegated and representational organization, this obsolescent organization can only be made to function by a series of subterfuges and makeshifts. These strike some observers as base betrayals of the original aims and purposes of the established forms.&#8221; <abbr title="Buch: Understanding Media, 1964, S.99 , S.109, S.216, S.221">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Um das vorhandene Verbesserungspotential zu nutzen, m&#252;ssen die Aufseher etwas von ihrer Kontrolle abgeben. Doch die F&#252;rsten – &#228;hm – die gew&#228;hlten Volksvertreter werden bem&#252;ht sein, ihre Privilegien und die alten Spielregeln aufrechtzuerhalten, wann immer es irgendwie geht. Oft eben durch &#8220;Ausreden, T&#228;uschungen und Notl&#246;sungen&#8221; wie McLuhan bemerkt. Hin und wieder mag das sogar gerechtfertigt sein. Nicht alle Spielregeln werden mit einem Schlag hinf&#228;llig. So wird man immer die Bem&#252;hungen um einen &#8220;geordneten &#220;bergang&#8221; betonen. Aber die Richtung des Ver&#228;nderungsprozesses ist eindeutig. Die Macht verschiebt sich von den Aufsehern zum Volke.</p>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 6)</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 12:33:43 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Doch nun passiert etwas, mit dem keiner da oben gerechnet hat und das die Dinge f&#252;r immer ver&#228;ndert. Die k&#246;rperliche Gr&#246;&#223;e der Menschen im Labyrinth nahm &#252;ber die Generationen hinweg kontinuierlich zu, bis sie eines Tages selbst &#252;ber die Mauer schauen konnten. Thomas Friedman hat das genau anders herum formuliert, als er sagte: Die Welt wird flach. &#8220;Fr&#252;her konnten die Herrscher darauf bauen, dass Mauern, Berge und T&#228;ler ihrer Bev&#246;lkerung die Sicht verstellten und sie im Unklaren dar&#252;ber lie&#223;en, wo sie im Vergleich zu anderen standen. Man konnte nur bis zum n&#228;chsten Dorf sehen. Doch je flacher die Welt wird, &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/06/evolution-und-zukunft-der-demokratie-6/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Doch nun passiert etwas, mit dem keiner da oben gerechnet hat und das die Dinge f&#252;r immer ver&#228;ndert</strong>. Die k&#246;rperliche Gr&#246;&#223;e der Menschen im Labyrinth nahm &#252;ber die Generationen hinweg kontinuierlich zu, bis sie eines Tages selbst &#252;ber die Mauer schauen konnten. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_L._Friedman">Thomas Friedman</a> hat das genau anders herum formuliert, als er sagte: <a href="http://www.amazon.de/Die-Welt-ist-flach-Jahrhunderts/dp/3518418378/">Die Welt wird flach</a>. &#8220;Fr&#252;her konnten die Herrscher darauf bauen, dass Mauern, Berge und T&#228;ler ihrer Bev&#246;lkerung die Sicht verstellten und sie im Unklaren dar&#252;ber lie&#223;en, wo sie im Vergleich zu anderen standen. Man konnte nur bis zum n&#228;chsten Dorf sehen. Doch je flacher die Welt wird, desto mehr weitet sich der Blick.&#8221; <abbr title="Buch: Die Welt ist flach, S.590">[*]</abbr></p>
<p>Bei den alten Griechen wohnten die G&#246;tter auf dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Olymp">Olymp</a>, einem dreitausend Meter hohen Gebirgsmassiv im Norden Griechenlands. &#8220;Fr&#252;her verdankte die Elite ihre Macht dem Privileg der &#220;bersicht. Der K&#246;nig, der Hohepriester, der Feldherr auf dem H&#252;gel: Sie regierten, weil sie alle sahen, ohne selber gesehen zu werden&#8230; <strong>Macht ist eine Ordnung der Sichtbarkeitsverh&#228;ltnisse</strong>.&#8221; <a href="http://www.zeit.de/2010/43/CH-Internet">[*]</a></p>
<blockquote class="right dark"><div>&#8220;Wir erleben gerade einen zweiten Mauerfall.&#8221; <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/debattenbeitrag-anke-domscheit-berg-die-angst-vor-zu-viel-transparenz-1.1119102">Anke Domscheit-Berg</a></div>
</blockquote>
<p>Die Menschen k&#246;nnen noch immer nicht so weit sehen, wie die Aufseher auf ihren Plattformen. &#8220;Das Internet leuchtet heller als alles zuvor, aber es ist immer noch eine Funzel&#8221; <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,796779,00.html">[*]</a>. Doch heute sehen sie Dinge, die ihnen zuvor verborgen blieben. Es handelt sich nicht nur um eine Sicht auf die politisch Verantwortlichen, sondern um eine Sicht auf die wahren Lebensverh&#228;ltnisse der anderen Menschen (das ist der entscheidende Unterschied zwischen der OpenData-Philosophie und echten Crowdsourcing-Projekten). Die Politik verliert ihre Deutungshoheit. Daraus entwickelt sich ein unwiderstehliches Bed&#252;rfnis mitzureden. Je mehr man sieht, desto st&#228;rker dieses Bed&#252;rfnis. Wird den Menschen diese Mitsprache dauerhaft verwehrt, werden sie irgendwann ungeduldig und gereizt reagieren.</p>
<p>Das l&#228;sst sich an der zunehmenden Politikverdrossenheit beobachten. Doch &#8220;dass das Volk die Figuren der politischen Klasse nicht ausstehen kann, hei&#223;t keineswegs, dass ihnen das Gemeinwesen wurscht ist&#8221; <abbr title="Buch: Die verbl&#246;dete Republik, S.43, Thomas Wieczorek">[*]</abbr>. <strong>Die B&#252;rger verlieren nicht etwa das Interesse am Gemeinwohl, sondern die Geduld mit den Institutionen</strong>. Der Politikwissenschaftler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Leggewie">Claus Leggewie</a> <a href="http://www.bpb.de/files/MG4WJ9.pdf">diagnostiziert</a> &#8220;nicht pauschale Politikverdrossenheit, sondern Unzufriedenheit mit den politischen Formen.&#8221;</p>
<p>Die Ungeduld steigert sich ins Unermessliche, nicht nur weil die B&#252;rger selbst immer mehr sehen k&#246;nnen, sondern weil die alten Institutionen mit den neuen Gegebenheiten und der Ver&#228;nderungsgeschwindigkeit zunehmend &#252;berfordert sind. Diese &#220;berforderung findet auf offener B&#252;hne statt und jeder kann sie sehen. Manchmal f&#252;hlt es sich an, als &#252;berragen wir die Mauern schon um zwei K&#246;pfe und die Institutionen wollen einfach nicht darauf reagieren. Das Wort des Jahres 1992 war Politikverdrossenheit. 2010 war es Wutb&#252;rger.</p>
<p>Das franz&#246;sische Anarcho-Manifest <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_kommende_Aufstand">Der kommende Aufstand</a> nennt das “die Erfahrung sich versch&#228;rfender Ohnmacht angesichts der unbelehrbaren Arroganz der Macht“ und erg&#228;nzt: “Man muss blind sein, um das rein Politische nicht zu sehen, das in dieser entschlossenen Verneinung der Politik steckt“.</p>
<blockquote class="right"><div>&#8220;Ihr werdet euch noch w&#252;nschen, wir w&#228;ren politikverdrossen.&#8221; <a href="http://twitter.com/#!/343max/status/2228357957">Von Max Winde</a> erfundenes <a href="http://www.google.de/search?q=Ihr+werdet+euch+noch+w%C3%BCnschen%2C+wir+w%C3%A4ren+politikverdrossen">Netzaktivistenmotto</a></div>
</blockquote>
<p>Die Volksvertreter sollten sich &#8220;von der eigenn&#252;tzigen Propagandal&#252;ge verabschieden, die blo&#223;e Stimmabgabe h&#228;tte irgendetwas mit Demokratie zu tun und sie w&#252;ssten ja ohnehin besser als der B&#252;rger selbst, was gut f&#252;r ihn ist&#8221; <abbr title="Buch: Die verbl&#246;dete Republik, S.295">[*]</abbr>.</p>
<p><strong>Demokratisierung ist ein Prozess, bei dem sich die Grenzen zwischen Staat und Gesellschaft allm&#228;hlich einebnen</strong>. Dabei verlieren die Autorit&#228;ten kontinuierlich an Bedeutung und die Institutionen m&#252;ssen sich anpassen. Die Ver&#228;nderungen haben sich in einem Ma&#223;e beschleunigt, dass wir uns heute an einem neuerlichen Geschichtspunkt der Demokratieentwicklung befinden. <strong>Wir betreten Neuland</strong>.</p>
<blockquote><div>&#8220;Our electric extensions of ourselves simply by-pass space and time, and create problems of human involvement and organization for which there is no precedent.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan">Marshall McLuhan</a> <abbr title="Buch: Understanding Media, 1964, S.114">[*]</abbr></div>
</blockquote>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 5)</title>
		<link>http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/04/evolution-und-zukunft-der-demokratie-5/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 16:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[1968 schrieb der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington: “The United States, Great Britain, and the Soviet Union have different forms of government, but in all three systems the government governs. Each country is a political community with an overwhelming consensus among the people on the legitimacy of the political system. In each country the citizens and their leaders share a vision of the public interest of the society and of the traditions and principles upon which the political community is based.” [*] Mehr als zwanzig Jahre sp&#228;ter schrieb Francis Fukuyama: “For all the undeniable problems of their societies, communist rulers had &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/04/evolution-und-zukunft-der-demokratie-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1968 schrieb der amerikanische Politikwissenschaftler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Phillips_Huntington">Samuel Huntington</a>: “The United States, Great Britain, and the Soviet Union have different forms of government, but in all three systems the government governs. Each country is a political community with an overwhelming consensus among the people on the legitimacy of the political system. In each country the citizens and their leaders share a vision of the public interest of the society and of the traditions and principles upon which the political community is based.” <a href="http://books.google.de/books?id=9H5XPQcCkyAC&#038;pg=PA148#v=onepage&#038;q&#038;f=false">[*]</a></p>
<p>Mehr als zwanzig Jahre sp&#228;ter schrieb <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Fukuyama#.E2.80.9EDas_Ende_der_Geschichte.E2.80.9C">Francis Fukuyama</a>: “For all the undeniable problems of their societies, communist rulers had worked out a “social contract” with their peoples, of the sort satirized in the Soviet saying that “they pretend to pay us and we pretend to work”. These regimes were neither productive nor dynamic, but were said to govern with a certain degree of consent from their populations because they provided security and stability.“ <abbr title="Buch: The End of History, S.11">[*]</abbr></p>
<blockquote><div>&#8220;Der russische Staat war nur solange allm&#228;chtig, wie sich die Bev&#246;lkerung mit diesem Staat und mit seinen Wertvorstellungen identifizierte. In dem Moment, als sich die Bev&#246;lkerung von diesen Wertvorstellungen und ihrem eigenen Staat abwandte, brach er wie ein Kartenhaus zusammen. Das war im Jahre 1917 und auch im Jahre 1991 der Fall.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leonid_Luks">Loenid Luks</a> <abbr title="Sendung: “Der Kommunismus, Geschichte eine Illusion“ vom 07.08.2011 auf Phoenix, eine BR/NDR-Produktion von 2005/2006 u.a. von Peter Glotz">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<blockquote><div>&#8220;Legitimacy is crucial to even the most unjust and bloody-minded dictatorship.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Fukuyama">Francis Fukuyama</a> <abbr title="Buch: The End of History, S.16">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p><strong>Was will ich damit sagen?</strong></p>
<p>Erstens: Wir haben es in der Hand. Der Missbrauch der Institutionen geschieht in dem Ausma&#223;, in dem die B&#252;rger es zulassen. Diese Form der repr&#228;sentativen Demokratie mit der ihr innewohnenden Machtkonzentration wird genau so lange Bestand haben, wie die Mehrzahl der B&#252;rger sie f&#252;r das beste aller Systeme h&#228;lt und der Glaube an Alternativen fehlt. Erst wenn glaubhafte Alternativen deutlich werden, verliert auch die politische Elite selbst die &#220;berzeugung ihrer eigenen Legitimit&#228;t. Das ist die zeitlose Wahrheit und die Piratenpartei hat uns mal wieder daran erinnert.</p>
<blockquote class="right dark"><div>&#8220;Selbst das repressivste Regime ist von der Zustimmung seiner Untertanen abh&#228;ngig.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lew_Rockwell">Lew Rockwell</a> <a href="http://ef-magazin.de/2011/02/03/2833-aegypten-aufstand-des-volkes-gegen-das-imperium">[*]</a></div>
</blockquote>
<p>Zweitens: Die demokratische Entwicklung in der Welt wurde ausschlie&#223;lich durch die kulturelle Entwicklung des Volkes und seinen Willen zu Demokratie erm&#246;glicht. Ohne die Leistungen einzelner herausragender Pers&#246;nlichkeiten schm&#228;lern zu wollen, f&#252;r den Verlauf der Demokratiegeschichte sind die politischen F&#252;hrer weitgehend irrelevant. Sie waren kaum mehr als Beobachter des Zeitgeschehens. Es blieb ihnen gar nichts anders &#252;brig, als sich den Zw&#228;ngen zu beugen. Wir Deutsche konnten das bei der moralischen Blitzverwandlung der alten SED-Funktion&#228;re geradezu modellhaft beobachten. Nur wenige Jahre nach der Wende schienen sie glaubhaft versichern zu k&#246;nnen, dass die freie Meinungs&#228;u&#223;erung auch f&#252;r sie schon immer eines der elementarsten Menschenrechte gewesen war.</p>
<p>Autorit&#228;re Pers&#246;nlichkeiten k&#246;nnen nur dann die politische B&#252;hne betreten, wenn das Volk ihnen den Weg freimacht <abbr title="das soll keineswegs dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass die beiden Teile Deutschlands nach dem Krieg nicht selbstbestimmt waren">[*]</abbr>. Wer diese L&#252;cke letztlich ausf&#252;llt ist zweitrangig. Irgendwer findet sich da immer.</p>
<blockquote><div>&#8220;Wo keine Unterwerfung, da keine Macht.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Kohr">Leopold Kohr</a> <abbr title="Buch: Das Ende der Gro&#223;en – zur&#252;ck zum menschlichen Ma&#223;, S.134">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Ein wesentlicher Unterschied zu heute besteht im Informationsniveau und den Kommunikationsm&#246;glichkeiten des Volkes, vor allem aber in ihrem Engagement.</p>
<blockquote class="right dark"><div>&#8220;Ihr lieben guten Leute! Ihr klagt &#252;ber den Hochmut der hohen Herren. Lasst euch gesagt sein: der Hochmut der hohen Herren wird sich sehr schnell geben, wenn sich erst einmal eure Kriecherei gegeben haben wird.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Christoph_Lichtenberg">Georg Christoph Lichtenberg</a>, deutscher Schriftsteller (1742-1799)</div>
</blockquote>
<p>&#8220;Gegen das Wuchern der Eigeninteressen der politischen Klasse gibt es letztlich nur ein wirksames Gegenmittel, die Aktivierung des Volkes selbst als des eigentlichen Souver&#228;ns in der Demokratie: Das ganze System ist f&#252;r den Willen der B&#252;rgerschaft durchl&#228;ssiger zu machen… Nur dann kann der B&#252;rger wirklich mitbestimmen. Nur dann k&#246;nnen die verkrusteten Strukturen aufgebrochen werden… Die Erkenntnis, dass letztlich allein das Volk als wirksames Gegengewicht gegen Fehlentwicklungen der repr&#228;sentativen Demokratie in Betracht kommt, folgt aus der inneren Logik der Demokratie und war in fr&#252;heren Zeiten intellektuelles Gemeingut.&#8221; <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, Hans Herbert von Arnim, S.34">[*]</abbr></p>
<blockquote><div>&#8220;Je mehr Menschen apathisch sind, umso leichter sind sie zu steuern.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Jefimowitsch_Nemzow">Boris Nemzow</a>, laut Tagesthemen einer der bekanntesten und chancenlosesten Oppositionspolitiker Russlands <abbr title="Sendung: Tagesthemen vom 01.12.2011">[*]</abbr>.</div>
</blockquote>
<blockquote><div>&#8220;Ich glaube ganz fest, dass wir wirklich gar nichts machen m&#252;ssen. Weder w&#228;hlen, noch sonst was. Wir haben keinen Einfluss auf irgendwas. Wir werden alle komplett ver&#228;ppelt… Das ist die Wahrheit, aber wenn man das wei&#223;, dann lebt man eigentlich ganz gut damit.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Indira_Weis">Indira Weis</a> <abbr title="ARD-Sendung: Entweder Broder vom 12.09.2011">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<blockquote><div>&#8220;Das ist das Gef&#228;hrliche an Diktaturen, man kann sich in ihnen einrichten. Freiheit ist anstrengend und schwierig, denn man muss sich entscheiden, muss w&#228;hlen. Das f&#228;llt nicht allen leicht, manchen erscheint es unm&#246;glich. Man kann gewinnen, man kann aber auch scheitern. Auch deswegen gibt es manche, die der DDR nachtrauern.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck">Joachim Gauck</a> <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article7922299/Freiheit-ist-anstrengend-denn-man-muss-waehlen.html">[*]</a></div>
</blockquote>
<p>Doch</p>
<blockquote><div>&#8220;Jene Anziehungskr&#228;fte, die f&#252;r Generationen von Deutschen das Leben strukturierten und normierten, alles Andersartige assimilierten oder an den Rand der Gesellschaft dr&#252;ckten, klingen ab.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabor_Steingart">Gabor Steingart</a> <abbr title="Buch: Das Ende der Normalit&#228;t, S.10">[*]</abbr></div>
</blockquote>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 4)</title>
		<link>http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/03/evolution-und-zukunft-der-demokratie-4/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 10:29:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[In jedem Fall stellt der Plattform-Zugang ein Privileg dar, dass den Privilegierten besonderen Einfluss verleiht. Beide, sowohl der Monarch, als auch der demokratische Repr&#228;sentant werden stets bem&#252;ht sein, ihren Einfluss zu erhalten und auszubauen. Die Methoden mit denen die Aufseher ihre Posten gegen die Anspr&#252;che anderer behaupten, sind vielf&#228;ltig. Doch zwischen Demokratie und Monarchie unterscheiden sie sich nicht so sehr, wie man zun&#228;chst annehmen k&#246;nnte. Machiavelli nannte sein Hauptwerk &#8220;Der F&#252;rst&#8221;, nicht &#8220;Der gew&#228;hlte Volksvertreter&#8221;. Auch der F&#252;rst war nie vom Willen des Volkes unabh&#228;ngig. Der F&#252;rst, &#8220;der die Masse zum Feinde hat, sichert sich nie, und je mehr Grausamkeiten &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2012/01/03/evolution-und-zukunft-der-demokratie-4/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In jedem Fall stellt der Plattform-Zugang ein Privileg dar, dass den Privilegierten besonderen Einfluss verleiht. Beide, sowohl der Monarch, als auch der demokratische Repr&#228;sentant werden stets bem&#252;ht sein, ihren Einfluss zu erhalten und auszubauen. Die Methoden mit denen die Aufseher ihre Posten gegen die Anspr&#252;che anderer behaupten, sind vielf&#228;ltig. Doch zwischen Demokratie und Monarchie unterscheiden sie sich nicht so sehr, wie man zun&#228;chst annehmen k&#246;nnte. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli">Machiavelli</a> nannte sein Hauptwerk &#8220;Der F&#252;rst&#8221;, nicht &#8220;Der gew&#228;hlte Volksvertreter&#8221;. Auch der F&#252;rst war nie vom Willen des Volkes unabh&#228;ngig. Der F&#252;rst, &#8220;der die Masse zum Feinde hat, sichert sich nie, und je mehr Grausamkeiten er begeht, desto schw&#228;cher wird seine Herrschaft&#8221; (<a href="http://www.amazon.de/Discorsi-Staat-Politik-insel-taschenbuch/dp/3458342516/">[*]</a> wie in <a href="http://www.amazon.de/Von-Diktatur-zur-Demokratie-Leitfaden/dp/3406568173/">[*]</a> zitiert). Brot und Spiele werben um das Wohlwollen des Volkes, nicht das der herrschenden Klasse.</p>
<p>Gabor Steingart beschreibt die Methoden der Eliten folgenderma&#223;en: &#8220;Unsere Parteien sind deutlich weniger rabiat als ihre Vorfahren, aber nicht weniger erfolgreich in der Durchsetzung ihrer Interessen… Sie bestimmen die Richtlinien der Politik und besetzen die F&#252;hrungspositionen des Gemeinwesens mit der gleichen Selbstverst&#228;ndlichkeit, wie es die deutschen Adelsgeschlechter auch getan haben. Nur das kein Tropfen Blut dabei flie&#223;t.</p>
<p>Ihr Kunstst&#252;ck liegt darin, dass sie andere, die auch gern mitreden und mitentscheiden wollen, auf elegante Weise davon abhalten. Die deutschen F&#252;rsten und K&#246;nige lie&#223;en jedem den Kopf einschlagen, der es wagte, f&#252;r sich ein St&#252;ck von ihrer Macht zu fordern. Unsere Parteien sind humaner und kl&#252;ger. Sie verlangen lediglich nach einem Machtberechtigungsschein, den sie Parteibuch nennen. Sie erzielen damit die gleichen Erfolge.&#8221; <abbr title="Buch: Die gestohlene Demokratie, S.97">[*]</abbr></p>
<p>Wichtig ist zu verstehen, dass in jedem System die eigentliche Macht immer das Volk hat. Jedes Volk ist nur insofern beherrschbar, als es sich hinters Licht f&#252;hren und ruhigstellen l&#228;sst. Menschen, die in Demokratien aufgewachsen sind, f&#228;llt es oft schwer zu akzeptieren, dass auch nicht-demokratische, autorit&#228;re Regime keineswegs ohne Legitimation sind.</p>
<blockquote><div>&#8220;Entgegen landl&#228;ufiger Meinung sind sogar totalit&#228;re Diktaturen von der Bev&#246;lkerung und den Gesellschaften, &#252;ber die sie herrschen, abh&#228;ngig.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gene_Sharp">Gene Sharp</a> <abbr title="Buch: Von der Diktatur zur Demokratie, S.34">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<blockquote><div>&#8220;Macht verl&#228;uft nicht von oben nach unten, sondern der Machthaber ist auf das Volk angewiesen. Ohne Volk kann er keine Steuern eintreiben, keine &#246;ffentlichen Verkehrsmittel betreiben, keine Armee unterhalten, kein Staatsfernsehen. Er kann nicht mal eine Kuh melken. Und das Volk kann sagen: Nein. Wir wollen nicht mehr.&#8221; Srdja Popovic, Gr&#252;nder der serbischen Organisation <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otpor">Otpor</a>, die seit 1998 weltweit in diversen Widerstandsbewegungen aktiv war <abbr title="Arte-Sendung Yourope vom 13.11.2011">[*]</abbr>.</div>
</blockquote>
<blockquote><div>&#8220;Nicht die Diktatoren schaffen die Diktaturen, sondern die Herden.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bernanos">Georges Bernanos</a></div>
</blockquote>
<blockquote class="right dark"><div>&#8220;Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi">Mahatma Gandhi</a></div>
</blockquote>
<p>Warum ist die Gewaltlosigkeit eines jeden Widerstandes so wichtig? Weil das moralische Defizit des Regimes offen zutage tritt und f&#252;r jedermann sichtbar wird, wenn es gewaltlosen Widerstand mit Gewalt beantwortet. &#8220;So eine Regierung, die so etwas macht, wollen wir einfach nicht mehr&#8221;, sagte ein Syrier nach dem gewaltsamen Vorgehen des syrischen Regimes bei einer Demonstration in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Talkalakh">Talkalakh</a> <abbr title="Sendung: auslandsjournal vom 14.09.2011">[*]</abbr>. Ein desertierter Armeeoffizier in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homs">Homs</a> sagt: &#8220;Wir bekamen in der Armee Befehle, die dem soldatischen Eid widersprachen. Ich hatte doch geschworen, Zivilisten zu sch&#252;tzen. Als ich sah, was die Regierungstruppen dem Volk antun, bin ich desertiert.&#8221; <abbr title="Sendung: Tagesthemen vom 27.12.2011">[*]</abbr> Antwortet der Widerstand seinerseits mit Gewalt, gewinnt das Regime sofort moralische Glaubw&#252;rdigkeit und kann den Einsatz von Gewalt wiederum leichter rechtfertigen. &#8220;Da gewaltloser Kampf und Gewalt jeweils grundlegend anders funktionieren, ist selbst begrenzter gewaltsamer Widerstand &#8230; kontraproduktiv.&#8221; <abbr title="Buch: Von der Diktatur zur Demokratie, S.47">[*]</abbr> Wenn das Ziel des Widerstands eine Demokratie und keine neue Diktatur ist, tut er gut daran, sich an die Gewaltlosigkeit zu halten.</p>
<blockquote><div>&#8220;Am Ende k&#246;nnen nur von Mehrheiten getragene Ver&#228;nderungen dauerhaft sein.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Dieterich">Heinz Dieterich</a>, ehemaliger Berater von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Ch%C3%A1vez">Hugo Chávez</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Evo_Morales">Evo Morales</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rafael_Correa">Rafael Correa</a> <a href="http://www.zeit.de/2011/51/Interview-Dieterich">[*]</a></div>
</blockquote>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 3)</title>
		<link>http://www.einfach-demokratie.de/2011/12/29/evolution-und-zukunft-der-demokratie-3/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 09:36:07 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Institutionen sind ein zweischneidiges Schwert. Als Hort der Entscheidungstr&#228;ger haben sie immer auch diese Tendenz sich abzuschotten und Schutzw&#228;lle um sich zu errichten. Diese Schutzw&#228;lle erschweren die Kontrolle und verringern die Durchl&#228;ssigkeit. Je schwieriger der Zugang f&#252;r den einfachen B&#252;rger, desto mehr mutiert eine Institution zu einem exklusiven Klub, der sich auf das Massieren der Regeln und die Bildung von Zweckb&#252;ndnissen spezialisiert. Institutionen wurden f&#252;r den B&#252;rger geschaffen, doch manchmal geraten sie in die M&#252;hlen der Selbstverzweckung und wenden sie sich gegen ihn. Demokratisierung ist ein Prozess, bei dem sich die Grenzen zwischen Staat und Gesellschaft allm&#228;hlich einebnen. Nur allzu &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2011/12/29/evolution-und-zukunft-der-demokratie-3/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Institutionen sind ein zweischneidiges Schwert. Als Hort der Entscheidungstr&#228;ger haben sie immer auch diese Tendenz sich abzuschotten und Schutzw&#228;lle um sich zu errichten. Diese Schutzw&#228;lle erschweren die Kontrolle und verringern die Durchl&#228;ssigkeit. Je schwieriger der Zugang f&#252;r den einfachen B&#252;rger, desto mehr mutiert eine Institution zu einem exklusiven Klub, der sich auf das Massieren der Regeln und die Bildung von Zweckb&#252;ndnissen spezialisiert. Institutionen wurden f&#252;r den B&#252;rger geschaffen, doch manchmal geraten sie in die M&#252;hlen der Selbstverzweckung und wenden sie sich gegen ihn.</p>
<p><strong>Demokratisierung ist ein Prozess, bei dem sich die Grenzen zwischen Staat und Gesellschaft allm&#228;hlich einebnen.</strong></p>
<p>Nur allzu gern verweist die politische Elite auf Max Webers Ausspruch, Politik sei eben das Bohren dicker Bretter. Das haben sie gewisserma&#223;en zu ihrem Leitmotiv gemacht. Es erleichtert den Verweis auf die Mitarbeit in der Partei. &#8220;Du darfst mir erstmal f&#252;r Jahre oder Jahrzehnte die Pantoffeln hinterhertragen, bevor du hier auch was zu sagen hast&#8221;. Wer das einmal erdulden musste, erwartet nun seinerseits neue Pantoffeltr&#228;ger zu Diensten.</p>
<p>Ein elit&#228;rer Klub zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er keinen Nachwuchs rekrutiert, sondern durch die Art und Weise, wie er das tut. Doch die jungen Leute von heute sagen: Ihr k&#246;nnt euch eure Leits&#228;tze in die Haare schmieren. Wir brauchen keine Erlaubnis, um unser Leben so zu gestalten, wie es uns passt.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Herbert_von_Arnim">Von Arnim</a> meint, dass die Institutionen in Deutschland “allm&#228;hlich von den Akteuren selbst deformiert worden sind, um ihre egoistischen Ziele besser durchsetzen zu k&#246;nnen. Das Ergebnis ist <strong>eine krasse Diskrepanz zwischen dem &#246;ffentlich immer wieder beschworenen Ideal und den real existierenden Zust&#228;nden</strong> &#8230; die verdorbenen Institutionen passen nicht mehr und verlieren ihre Steuerungskraft … das eigens&#252;chtige Streben der sogenannten Eliten, ihre weit gesponnenen Beziehungsgeflechte und die spezifische Wirkungsweise der pervertierten Institutionen, bleibt im Verborgenen. Fast alle staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wortf&#252;hrer halten an einem normativ aufgeladenen, aber wirklichkeitsfernen Bild von sich selbst und von der Funktionsweise unserer Institutionen fest.“ Das “Netzwerk hinter dem auf der Schaub&#252;hne pr&#228;sentierten Politst&#252;ck“ wird nur erkennbar, wenn man die “auf Glanzpapier vorgeschobenen Normativverfassungen“ entzaubert <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, S.12">[*]</abbr>.</p>
<p>Die Erfolgsgeschichte der Demokratie von heute besteht vor allem darin, dass sie mit ziemlicher Zuverl&#228;ssigkeit die schlechtesten L&#246;sungen von uns fernhielt. Etwas das keine andere Staatsform dauerhaft geschafft hat. <strong>Das herausragende Merkmal der repr&#228;sentativen Demokratie ist die M&#246;glichkeit, die Regierung abzuw&#228;hlen. Man muss zugeben, dass das in Anbetracht der Alternativen verdammt viel ist. Doch bringt sie auch den Willen des Volkes zur Geltung?</strong></p>
<p>Von Arnim: “Die viel beschworene Volkssouver&#228;nit&#228;t, die die Basis unseres ganzen demokratischen Staatsaufbaus darstellt, ist bei genauerem Hinsehen nichts weiter als eine Fiktion“ <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, S.15">[*]</abbr>. “In Deutschland ist die Herstellung der Volkssouver&#228;nit&#228;t allerdings schwierig und st&#246;&#223;t auf gro&#223;e Widerst&#228;nde. Denn in die Position, die dem Volk vorenthalten wird, ist inzwischen die politische Klasse einger&#252;ckt. Sie hat die Souver&#228;nit&#228;t an sich gerissen und macht gegen jeden Versuch, das zu &#228;ndern, massiv Front – nicht zuletzt dadurch, dass sie diesen Sachverhalt ideologisch verschleiert und ein gezieltes Sperrfeuer gegen jeden, der um Aufkl&#228;rung bem&#252;ht ist, entfacht.“ <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, S.20">[*]</abbr></p>
<p>Man mag das f&#252;r &#252;berzogen halten. Doch das kommt auf die Perspektive an.</p>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil 2)</title>
		<link>http://www.einfach-demokratie.de/2011/12/27/evolution-und-zukunft-der-demokratie-2/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 13:32:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Entscheidend f&#252;r die Funktionsf&#228;higkeit der Demokratie ist dieses: Wie ausgekl&#252;gelt die Institutionen der Demokratie auch immer sind, die letzte Instanz ist der B&#252;rger. So unterschiedlich die funktionierenden Demokratien dieser Welt auch sein m&#246;gen – und je mehr man ins Detail schaut, desto mehr Unterschiede stellt man fest – eins ist ihnen allen gemein. Sie haben eine gebildete und wache B&#252;rgergesellschaft. Ohne eng in diese eingebunden zu sein, ist kein Institutionengeflecht der Welt in der Lage, seine Aufgabe als H&#252;ter der Demokratie wahrzunehmen. Jede noch so ausgefeilte Verfassung kann von den Amtstr&#228;gern problemlos untergraben und ausgeh&#246;hlt werden, wenn das Volk nicht &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2011/12/27/evolution-und-zukunft-der-demokratie-2/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Entscheidend f&#252;r die Funktionsf&#228;higkeit der Demokratie ist dieses:</strong> Wie ausgekl&#252;gelt die Institutionen der Demokratie auch immer sind, <strong>die letzte Instanz ist der B&#252;rger</strong>. So unterschiedlich die funktionierenden Demokratien dieser Welt auch sein m&#246;gen – und je mehr man ins Detail schaut, desto mehr Unterschiede stellt man fest – eins ist ihnen allen gemein. Sie haben eine gebildete und wache B&#252;rgergesellschaft. Ohne eng in diese eingebunden zu sein, ist kein Institutionengeflecht der Welt in der Lage, seine Aufgabe als H&#252;ter der Demokratie wahrzunehmen.</p>
<p><strong>Jede noch so ausgefeilte Verfassung kann von den Amtstr&#228;gern problemlos untergraben und ausgeh&#246;hlt werden</strong>, wenn das Volk nicht auf der Hut ist und den Kontrollettis die Chance l&#228;sst, sich gegen das Volk zu verb&#252;nden. Dabei wird jede Machtelite selbst immer &#252;berzeugt sein, im Sinne des Volkes zu handeln. Manchmal sei es halt notwendig, das Volk vor sich selbst zu besch&#252;tzen. Allzu viel mitreden sollte es daher nicht.</p>
<p>Damit das Volk also das rechtm&#228;&#223;ige Handeln der Eliten kontrollieren kann, <strong>muss die Verfassung auch f&#252;r das Volk verst&#228;ndlich sein</strong>. Sonst wird sie zum Tummelplatz f&#252;r spezialisierte Rechtsverdreher. Der wirksamste Weg, diese Allgemeinverst&#228;ndlichkeit sicherzustellen, ist, das Volk &#252;ber die Verfassung mitbestimmen zu lassen.</p>
<p>Eigentlich ist die Mitbestimmung sogar <strong>eine Voraussetzung f&#252;r die Rechtm&#228;&#223;igkeit einer demokratischen Verfassung</strong>. So sind die meisten Staatsrechtler der Auffassung, dass die Verfassung ihren Institutionen und Amtstr&#228;gern nur dann Legitimation vermitteln kann, wenn sie selbst demokratisch legitimiert ist.</p>
<p>Normalerweise erfolgt die Legitimierung &#252;ber eine Volksabstimmung. H&#228;lt man das Volk jedoch nicht f&#252;r f&#228;hig, so gilt als Ausweichl&#246;sung auch die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung als legitim. Dem deutschen Volk ist auch diese Notl&#246;sung bis heute vorenthalten. Hatten die Siegerm&#228;chte dem Nachkriegsdeutschland sein Selbstbestimmungsrecht noch aberkannt, so haben wir es heute ohne Zweifel wieder inne.</p>
<p>Doch noch immer gibt es viele Verfassungsrechtler, die eine Beteiligung des Volkes keineswegs f&#252;r n&#246;tig halten. So meint beispielsweise auch (der von mir sonst gesch&#228;tzte) Paul Kirchhof ganz unverbl&#252;mt: &#8220;Deshalb ist der Vorschlag, das Staatsvolk &#252;ber die Verfassung abstimmen zu lassen, nicht als offene Entscheidung &#252;ber die zuk&#252;nftige Staatsverfassung gemeint, sondern als integrationspolitische Geste, die eine klare Zustimmung verl&#228;sslich erwartet.&#8221; <abbr title="Buch: Das Gesetz der Hydra, S.119">[*]</abbr></p>
<blockquote class="right dark">
<div>&#8220;In Wahrheit war selten ein Volk so sehr von der Gestaltung seiner Verfassung ausgeschlossen wie das deutsche.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Herbert_von_Arnim">Hans Herbert von Arnim</a> <abbr title="Buch: Das System, S.257">[*]</abbr></div>
</blockquote>
<p>Was wie ein formaler und technokratischer Vorgang und vielleicht auch ein wenig nach Haarspalterei klingt, ist in Wahrheit ein fundamentaler Akt der Demokratie. Das ist der einzige Weg, der dauerhaft sicherstellen kann, dass wir nicht von unseren Institutionen beherrscht werden, sondern &#252;ber sie herrschen. Ich gehe noch weiter. Eine moderne Demokratie mit m&#252;ndigen B&#252;rgern sollte regelm&#228;&#223;ig &#252;ber ihre Verfassung befinden, mindestens einmal pro Generation, und dabei jedes Mal <a href="/verfassungsgebung/">zwischen mehreren Vorschl&#228;gen ausw&#228;hlen k&#246;nnen</a>. Dieser Gedanke stammt &#252;brigens von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Jefferson">Thomas Jefferson</a> <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, S.19">[*]</abbr></p>
<blockquote>
<div>&#8220;Als wir vor zwei Jahren das 60-j&#228;hrige Bestehen des Grundgesetzes feiern konnten, wurde betont, wie gut es f&#252;r die Herausforderungen der Zukunft ger&#252;stet sei. In diesen Tagen h&#246;rt man ganz andere Stimmen: Das Grundgesetz sei an seinem Ende angekommen.&#8221; <a href="http://www.zeit.de/2011/43/P-Europa-Verfassung">[*]</a></div>
</blockquote>
<p>Ohne diese letzte Instanz, den engagierten B&#252;rger, verkommt jede Institution zur Formalie, deren Wirkungslosigkeit von den jeweiligen Amtstr&#228;gern problemlos verborgen werden kann. &#220;ber die Bundesrepublik sagt der Staatsrechtler und ehemalige Verfassungsrichter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Herbert_von_Arnim">Hans Herbert von Arnim</a>: &#8220;Der vom Grundgesetzt konstruierte Staat ist mit allen seinen Organisationen nur die formale H&#252;lle, hinter der die eigentlichen machtvollen Akteure ihr Spiel treiben&#8221; <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, S.24">[*]</abbr>. Wie bitte? &#8220;Sorgf&#228;ltig wird das eigentliche Funktionieren des politischen Gesch&#228;fts verdeckt. Die treibenden Kr&#228;fte, Motive und Absprachen und damit die Hintergr&#252;nde und urs&#228;chlichen Zusammenh&#228;nge der Politik bleiben den B&#252;rgern verborgen&#8221; <abbr title="Buch: Das System, S.17">[*]</abbr>.</p>
<p>Machtvolle Akteure treiben ihr Spiel? Vor unseren Augen? Kann das wahr sein? Es passiert in genau dem Ausma&#223;, in dem die &#214;ffentlichkeit es zul&#228;sst.</p>
<p>Nach dem Staatsbankrott Islands sagte Jon Thorisson, Isl&#228;nder und Assistent der bekannten Anti-Korruptions-Aktivistin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Joly">Eva Joly</a>, in einem Interview: &#8220;Es ist ein Schock zu erkennen, in was f&#252;r einer widerw&#228;rtig korrupten und kriminellen Gesellschaft man lebt. Die Vorstellung vom Leben in einer Gesellschaft, in der man einfach nur Konsument ist und sich mit Politik nur alle vier Jahre besch&#228;ftigen muss, wenn man w&#228;hlen geht, ist grundverkehrt. Ich glaube, wir erkennen, dass wir wachsamer sein und aufmerksamer verfolgen m&#252;ssen, was vorgeht.&#8221; <abbr title="Arte-Sendung vom 01.11.2011: Der Club der Unbestechlichen">[*]</abbr></p>
<p>Keine Institution, keine Gewaltenteilung, keine Formalie kann die Stabilit&#228;t auf Dauer gew&#228;hrleisten ohne eine &#8220;richtige&#8221; &#214;ffentlichkeit. Am Ende des Tages sind es immer die B&#252;rger selbst, nie die Institutionen, die die Funktionsf&#228;higkeit der Demokratie gew&#228;hrleisten. Institutionen k&#246;nnen erprobte Rezepte bieten, doch der B&#252;rger ist der Kitt, der diesem Konstrukt seine Stabilit&#228;t verleiht. Niemand besch&#252;tzt uns vor der Willk&#252;rherrschaft, wenn wir es nicht selbst tun.</p>
<blockquote>
<div>&#8220;Letztlich gibt es in der Demokratie nur eine Kraft, die in der Lage ist, die politische Klasse zu begrenzen und in eine ad&#228;quate Ordnung einzubinden: das Volk selbst.&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Herbert_von_Arnim">Hans Herbert von Arnim</a> <abbr title="Buch: Die Deutschlandakte, S.344">[*]</abbr></div>
</blockquote>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie (Teil1)</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 13:16:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Anfangs lebten die Menschen im Dunkel. Da stahl Prometheus den G&#246;ttern das Feuer und brachte es vom Olymp auf die Erde zu den Menschen. Mit dem Feuer beginnt die Kultur.&#8221; Griechische Sage Die Demokratie ist der moderne Prometheus. Auch sie bringt Licht ins Dunkel. Nicht immer beleuchtet sie die Wahrheit, aber immer die Umgebung. Eine erleuchtete Umgebung ist allemal besser als die Wahrheit. Demokratie ist die Evolution des Prinzips &#214;ffentlichkeit. Oberfl&#228;chlich betrachtet handelt es sich dabei um technische und institutionelle Vorrichtungen. Aber unter der Oberfl&#228;che befindet sich der eigentliche Motor der Demokratie: die Evolution der Kultur. Die Demokratie hilft uns, &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2011/12/23/evolution-und-zukunft-der-demokratie-1/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div>&#8220;Anfangs lebten die Menschen im Dunkel. Da stahl <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus">Prometheus</a> den G&#246;ttern das Feuer und brachte es vom Olymp auf die Erde zu den Menschen. Mit dem Feuer beginnt die Kultur.&#8221; Griechische Sage</div>
</blockquote>
<p>Die Demokratie ist der moderne Prometheus. Auch sie bringt Licht ins Dunkel. Nicht immer beleuchtet sie die Wahrheit, aber immer die Umgebung. Eine erleuchtete Umgebung ist allemal besser als die Wahrheit.</p>
<p><strong>Demokratie ist die Evolution des Prinzips &#214;ffentlichkeit</strong>. Oberfl&#228;chlich betrachtet handelt es sich dabei um technische und institutionelle Vorrichtungen. Aber unter der Oberfl&#228;che befindet sich der eigentliche Motor der Demokratie: die Evolution der Kultur.</p>
<p>Die Demokratie hilft uns, <strong>in diesem Labyrinth, das wir unsere Umgebung nennen</strong>, zurechtzukommen. Vor der Demokratie waren wir zwar in der Lage, uns im Labyrinth mit all seinen Unw&#228;gbarkeiten und dunklen Ecken zu bewegen, aber wir schafften es nicht, uns in einem gr&#246;&#223;eren Ma&#223;stab untereinander zu koordinieren. Die Mauern beschr&#228;nkten unsere Sicht und behinderten den Austausch mit den Menschen auf der anderen Seite. Wir waren isoliert und niemand sah, was hinter der n&#228;chsten Mauer passierte. Der Einzelne war schwach und die Gesellschaft anf&#228;llig f&#252;r Anarchie und Chaos.</p>
<p><strong>Also errichtete man Aussichtsplattformen</strong>.<br />
Von diesen Plattformen hatte man einen &#220;berblick &#252;ber das Geschehen. Sie erm&#246;glichten Kontrolle und Koordination. In Windeseile wurden die Plattformen von einer neuen Spezies besetzt: dem Kontrolletti. Der Kontrolletti sieht alles und gibt Anweisungen. So schuf er eine Form von &#214;ffentlichkeit. Wir vertrauten auf seine Weitsicht und f&#252;hrten die Anweisungen von oben bereitwillig aus. Weil wir selbst vom Organisationstalent der Kontrollettis profitierten, waren wir <strong>gehorsame Untertanen</strong>.</p>
<p>Jedoch bestand immer auch die Gefahr, dass ein Kontrolletti seine Position missbraucht. Ohne selbst Zugang zur Plattform zu haben, konnte sich der Einzelne nur schwer zur Wehr setzen. Er vertraute auf die Informationen, mit denen er versorgt wurde. Er konnte sich ein Bild machen. Doch dieses Bild war manipulierbar.</p>
<p>Schnell stellte sich die Frage, wie der Zugang zur Plattform geregelt wird. W&#228;hrend die Monarchie auf Gottesgnadentum und Erbfolge setzt, wird in der Demokratie gew&#228;hlt. Doch es stellt sich noch eine weitere Frage, die <strong>eine der fundamentalsten der politischen Philosophie</strong> ist: Wer kontrolliert den Kontrolletti? Die naheliegende Antwort war und ist: die &#214;ffentlichkeit.</p>
<p><strong>Doch wer ist die &#214;ffentlichkeit?</strong><br />
Eigentlich ist &#214;ffentlichkeit das, was ALLE sehen. Wie sich jedoch herausstellte, kann das Herstellen einer funktionierenden &#214;ffentlichkeit schwierig sein, wenn man sich in einem Labyrinth befindet. Es gibt einfach nichts, das alle sehen. Eine g&#228;ngige L&#246;sung f&#252;r dieses Dilemma ist der Aufbau einer Hierarchie. Man schafft verschiedene Ebenen von &#214;ffentlichkeit. F&#252;rsten, Statthalter, Volksvertreter, Parlamente, Aussch&#252;sse, Parteien, Verb&#228;nde, &#246;ffentliche Institute, Kontrollgremien, Gerichte, Rechnungsh&#246;fe, Journalisten. Die moderne Demokratie hat buchst&#228;blich hunderte von Institutionen geschaffen, die sich gegenseitig &#252;berwachen. Daraus ergibt sich gewisserma&#223;en eine multidimensionale &#214;ffentlichkeit. Und ein Paradies f&#252;r Kontrollettis.</p>
<p>Aufgabe der Verfassung ist es, diese Kontrollfunktionen sicherzustellen. Doch wer die Rolle der Verfassung &#252;berbewertet, hat im Grunde noch immer die Vorstellung, das Volk bed&#252;rfe einer Vaterfigur, die in weiser Voraussicht die Weichen stellt und die Kinder zur Ordnung erzieht <abbr title="Mit der &#220;berbewertung der Verfassung meine ich nicht die Notwendigkeit, den Rechtsrahmen aufzuschreiben, sondern die Notwendigkeit, dem Volk eine Verfassung von oben zu verordnen. Dazu sp&#228;ter mehr...">[*]</abbr>. Das Einhalten der Regeln ist wichtiger als das Verst&#228;ndnis daf&#252;r.</p>
<p>Das funktioniert auch recht gut, solange die Autorit&#228;ten Vertrauen genie&#223;en und nicht infrage gestellt werden. Doch eine wirklich funktionierende &#214;ffentlichkeit sieht anders aus.</p>
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		<title>Evolution und Zukunft der Demokratie</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 13:27:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nous</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Teil 1: Weil die Welt ein Labyrinth war, wurden Aufsichtsplattformen errichtet. Weil ein Aufsichtsposten zu Missbrauch einlud, wurden die Aufseher demokratisch gew&#228;hlt und kontrolliert. Teil 2: Die Funktionsf&#228;higkeit einer Demokratie h&#228;ngt mehr von der St&#228;rke und Aufmerksamkeit ihrer B&#252;rger als von den verfassungsrechtlichen Institutionen ab. Teil 3: Langfristig kann jedes Institutionengeflecht von den Amtstr&#228;gern mit Leichtigkeit untergraben werden, wenn es dabei nicht auf den Widerstand und das Engagement der B&#252;rger trifft. Teil 4: Doch die eigentliche Macht hat immer das Volk. Teil 5: Daher haben einzig und allein wir selbst es in der Hand. Teil 6: Irgendwann werden die B&#252;rger &#8230; <a class="more-link" href="http://www.einfach-demokratie.de/2011/12/22/evolution-und-zukunft-der-demokratie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li><strong><a href="/2011/12/23/evolution-und-zukunft-der-demokratie-1/">Teil 1</a></strong>: Weil die Welt ein Labyrinth war, wurden Aufsichtsplattformen errichtet. Weil ein Aufsichtsposten zu Missbrauch einlud, wurden die Aufseher demokratisch gew&#228;hlt und kontrolliert.</li>
<li><strong><a href="/2011/12/27/evolution-und-zukunft-der-demokratie-2/">Teil 2</a></strong>: Die Funktionsf&#228;higkeit einer Demokratie h&#228;ngt mehr von der St&#228;rke und Aufmerksamkeit ihrer B&#252;rger als von den verfassungsrechtlichen Institutionen ab.</li>
<li><strong><a href="/2011/12/29/evolution-und-zukunft-der-demokratie-3/">Teil 3</a></strong>: Langfristig kann jedes Institutionengeflecht von den Amtstr&#228;gern mit Leichtigkeit untergraben werden, wenn es dabei nicht auf den Widerstand und das Engagement der B&#252;rger trifft.</li>
<li><strong><a href="/2012/01/03/evolution-und-zukunft-der-demokratie-4/">Teil 4</a></strong>: Doch die eigentliche Macht hat immer das Volk.</li>
<li><strong><a href="/2012/01/04/evolution-und-zukunft-der-demokratie-5/">Teil 5</a></strong>: Daher haben einzig und allein wir selbst es in der Hand.</li>
<li><strong><a href="/2012/01/06/evolution-und-zukunft-der-demokratie-6/">Teil 6</a></strong>: Irgendwann werden die B&#252;rger so gro&#223;, dass sie &#252;ber die Mauern des Labyrinths hinweg sehen k&#246;nnen und nicht l&#228;nger auf die Aufseher angewiesen sind.</li>
<li><strong><a href="/2012/01/09/evolution-und-zukunft-der-demokratie-7/">Teil 7</a></strong>: Die Parteien und Institutionen verweigern sich dieser Entwicklung. Doch hat das Volk die neue Situation erst einmal kulturell verinnerlicht, kann es sich von seinen Aufsehern emanzipieren und unabh&#228;ngig werden.</li>
<li><strong><a href="/2012/01/10/evolution-und-zukunft-der-demokratie-8/">Teil 8</a></strong>: Demokratie muss gelernt werden. Unter neuen Rahmenbedingungen muss man sie neu erlernen.</li>
</ul>
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